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Predigt zur Jubelkonfirmation 2018, zu Lk 8,22-25

Pfarrer Roija Weidhas

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Jubelkonfirmandinnen und Jubelkonfirmanden, vor 75, vor 70, vor 65 oder 60 Jahren sind Sie konfirmiert worden. Jetzt sind Sie hier, um sich an diesen Tag in Ihrem Leben zu erinnern. Vielleicht um sich der Reichweite jenes einen festliches Tages in Ihr Leben hinein wieder einmal bewusst zu machen. Mancher von Ihnen versteht vielleicht erst jetzt, im Abstand von Jahrzehnte, mit welcher großen Gnade und Fürsorge und Barmherzigkeit Gott sich damals still und unbemerkt mit Ihnen und Ihrem Leben verbunden hat. - Vielleicht haben manche von Ihnen inzwischen staunend verstanden, mit welcher Kraft und Weisheit sich der Segen, der Ihnen damals zugesprochen wurde, in Ihrem Leben entfaltet hat. - - -

Gehen wir in der Erinnerung noch einmal in das Jahr Ihrer Konfirmation und in die Jahre danach zurück. Damals wurden Sie erwachsen, haben angefangen, mehr selber zu entscheiden, was Sie tun und wohin Sie gehen. Erwachsen-werden ist, als ob man sein eigenes Boot flott macht - und allein hinaus segelt auf das Meer des Lebens, nach eigenem Plan, auf eigenem Kurs, zu selbst gewählten Zielen. -

Ich weiß nicht, was genau das für Ziele waren, zu denen Sie damals in Ihrer Jugend aufgebrochen sind. Sie wissen am besten, welchen Kurs sie gewählt haben. Und vor allem: Wen und was Sie sich mit in Ihr Boot hinein geholt haben, bei der Fahrt übers Meer des Lebens: welche Freunde, welche Partner, welche Vorbilder, welche Ideale.

Der Predigt-Text handelt auch von Leuten, die in einem Boot unterwegs sind. Wir hören Verse aus dem Lukas-Evangelium, Kapitel 8:

Es begab sich an einem Tag, als Jesus mit seinen Jüngern in ein Boot stieg. Sie stießen vom Lande ab um über den See zu fahren. Als sie so fuhren, schlief Jesus ein. Und es kam ein Wirbelwind über den See, und die Wellen überfielen sie und sie waren in großer Gefahr. Da traten die Jünger zu Jesus und weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um! Da stand Jesus auf und bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers, und sie legten sich und es entstand eine Stille. Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wo ist euer Glaube? Sie aber fürchteten sich und verwunderten sich und sprachen zueinander: Was ist das für ein Mann?! Er gebietet dem Wind und den Wellen und sie gehorchen ihm!

Bei Ihrer Konfirmation, als Sie den Segen bekamen und versprachen: "Ich will mein Leben mit Jesus führen, ich will Christ sein." Da haben Sie Jesus Christus mit zu sich in Ihr Boot geholt, mit dem Sie hinaus, auf das große, weite Meer des Lebens gefahren sind. - Sie sind also losgesegelt, und irgendwann kam Sturm. Oder Stürme. Das gehört zum Leben dazu: dass es irgendwann stürmisch wird, bedrohlich, unheimlich, beängstigend. Da sind Verluste, Enttäuschungen, Demütigungen, Krankheiten, Momente, wo es aussieht als sei jetzt alles zu spät. - Irgendwann kamen Situationen, wo Sie nicht wussten: wie jetzt weiter? Es gibt kaum ein Leben, in dem das nicht passiert. Bei manchen Menschen seltener, bei manchen öfter. Sie wissen am besten, was für Stürme Ihnen widerfahren sind. - - -

Mindestens einige von Ihnen haben sich in solchen Situationen daran erinnert: 'Moment mal, da war doch noch was, da war doch noch jemand!' - Wie die Jünger im sinkenden Boot haben Sie sich an Jesus gewandt, oder an Gott, und haben zu ihm gerufen: "Erbarme dich! Hilf doch!" - Einige von Ihnen könnten sicher eine spannende Geschichte erzählen aus ihrem Leben, wie Ihnen Ihre Verbindung zu Gott irgendwann weitergeholfen, oder Sie gerettet hat. -

Jetzt haben Sie einen mehr oder weniger großen Teil ihrer Überfahrt hinter sich. Sie schauen auf die Wogen des Lebens. Für manchen sind die Wellen jetzt klein und flach. Für manchen sind sie vielleicht noch immer groß. Manche haben gelernt, trotz hoher Wellen gelassen zu bleiben. - Den Wellen des Lebens einfach zuschauen, wie sie kommen und gehen, und mich hoch heben und ganz tief bringen, und in mein Boot schwappen - und ich bleibe gelassen. Ich fühle, was passiert, klar, aber ich lasse mich nicht mehr verrückt machen davon, nicht mehr ängstigen. Ich bleibe ruhig. Ruhig voll Gottvertrauen. Das große Geschrei bringt ja keine Besserung. Eigentlich genügt es zu wissen, dass Jesus mit im Boot ist. Da mögen die Wellen nur machen. -

Sicher, solche Gelassenheit ist nicht jedem gegeben. Die meisten versuchen, wenn es gefährlich wird, oder danach aussieht, Jesus zu wecken. Und das ist auch in Ordnung so! Mit Jesus abwarten, dass der Sturm vorbei geht. Dafür haben wir ja unsere Verbindung zu Jesus, unseren Glauben.

Wenn wir unsere Sorgen und Nöte Jesus anvertrauen, ihm unsere Unfähigkeit, unsere Unsicherheit übergeben, ihm sagen: "Jetzt kümmere du dich um die Sache!" - dann wird es für eine Weile ganz still. - - Der Frieden Gottes kommt in unser Herz. - - Diesen Frieden Gottes, können wir immer wieder neu finden. - - - Er tröstet und erfrischt unsere Seele. Er gibt neue Kraft und neuen Mut für die fortgesetzte Fahrt auf dem Meer des Lebens.

Ich weiß nicht, wohin Sie Ihre Wege führen werden, welche Ziele Sie noch anlaufen wollen. - Denn Sie sind ja immer noch unterwegs. - Ihre Geschichte mit Jesus in Ihrem Boot auf der hohen See des Lebens ist ja noch nicht zu Ende. -

Wenn Sie nach vorn schauen, dann ahnen Sie etwas von den Stürmen und hohen Wellen, die noch auf Sie zukommen können. Leben ist ja Bewegung. Fahrt auf dem großen Strom der Lebendigkeit, wo es keine dauerhaft ruhigen Plätze gibt.

Mit Ihrer Erfahrung jedoch sehen Sie dem, was kommen könnte, gelassener entgegen. Ihre Lebens- und Glaubenserfahrung gibt Ihnen Mut, sich auf schwierigere Teile des Lebensmeeres zu wagen. Weil Sie wissen, dass Jesus mit in Ihrem Boot ist, getrauen Sie sich vielleicht, Aufgaben anzupacken, und Widerständen zu trotzen, vor denen Sie früher zurückgeschreckt wären: Reisen, die Sie sich früher nicht gewagt hätten, Meinungsäußerungen, die Sie sich früher nicht getraut hätten, Wünsche, die Sie sich früher nicht erlaubt hätten, ein Liebesleben, zu dem Sie früher keinen Mut gehabt hätten. - Vielleicht trauen Sie sich jetzt mehr zu - jetzt wo Sie Erfahrungen haben, wie es ist, wenn Jesus den Stürmen und Wogen gebietet. - - Vielleicht nutzen Sie diese Momente der Stille, - um etwas davon ins Auge zu fassen. Vielleicht ist es jetzt oder in den nächsten Tagen an der Zeit für Sie, einmal nachzuspüren, was in Ihnen - sich noch öffnen, sich noch entfalten will. Was in Ihnen noch gelebt werden will, was bis jetzt keine Chance hatte. Vielleicht ist das Konfirmationsjubiläum ein Anlass innezuhalten und zu lauschen, welches Ziel Sie noch ruft, welche Stimme noch auf Ihr Gehör wartet.

Doch auch, wenn jemand schon genau weiß, wo er hin will, was er vor hat, lohnt es doch, sich offen zu halten für Überraschungen des Lebens. Denn Sturm und Wellen fragen nicht nach unseren Zielen. Sie bringen uns oft an ganz unerwartete Plätze. Wenn Sturm und Wellen sich legen, finden wir uns manchmal weit ab von unserem ursprünglichen Ziel, an fremden Plätzen wieder. Gottes Kraft gebietet über Sturm und Wellen. Nicht nur über das Aufhören von Sturm und Wellen - sondern auch über ihr Anfangen und über ihre Richtung, über ihre Wucht - letztlich über jeden Wassertropfen, der sich da bewegt. Nicht nur im Abklingen der Stürme des Lebens dürfen wir Gottes Kraft erblicken, sondern auch im Anfangen und im Verlauf solcher Stürme. Zum Gottvertrauen gehört da nicht nur die Hoffnung und das Vertrauen, dass wir überleben, sondern auch das Vertrauen, dass wir am richtigen Fleck und im richtigen Moment zur Ruhe kommen. Es gehört dazu das Vertrauen, dass in den Unwettern des Lebens genau das passiert, was Gott vor hat mit seiner Schöpfung. Wir dürfen wohl rufen: "Gott hilf uns! Gott rette uns!" Wir dürfen aber genauso sagen: "Dein Wille geschehe." Und: "Was Gott tut, das ist wohl getan."

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder die Größe des Lebens in den Blick bekommen, die Weite des Ozeans der Lebendigkeit. Und: Dass Sie es als ein unermessliches Geschenk ansehen können: Auf diesem großen Meer des Lebens darf ich eine Fahrt machen! Und: Dass Sie die besondere Gnade, die besondere Liebe Gottes zu Ihnen spüren, weil Sie diese Fahrt mit Jesus im Boot machen dürfen. Der Steuermann der Welt ist bei ihnen, ganz nahe bei Ihnen. Amen.